Mit dem Fahrrad unterwegs
Wer Lust hat, kann hier meine Touren nachlesen, die ich mit dem Fahrrad unternommen habe. Radfahren bedeutet für mich Spaß und keineswegs Schinderei. Deshalb beträgt meine Durchschnittsgeschwindigkeit nie mehr als 14 km/h. Wer also sogenannte Trails mit anspruchsvollen Steigungen und Hindernissen erwartet, der ist hier falsch. Hier ist hauptsächlich "Gegend" zu sehen, mit Texten versehen. Neben meinen Radtouren schreibe ich hier zusätzlich noch ein paar Dinge auf, die ich interessant finde, die mich bewegt haben oder die ganz einfach zu meinem Umfeld gehören. Viel Spaß beim lesen.
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Freitag, 19. Juni 2015
Mein Schutzengel saß neben mir
Bisher bin ich unfallfrei durchs Leben bzw. den Straßenverkehr gekommen, bis auf ein einziges Mal. Ich hatte so einen Unfall, wo man meist in der Zeitung lesen kann, dass jemand aus unerklärlichen Gründen und ohne sichtbare Bremsspuren in die Mittelleitplanke gefahren ist. Auf dem Beifahrersitz saß an diesem Tag mein Schutzengel.
Der Unfall hatte auch eine Vorgeschichte, die eigentlich ein deutliches Warnsignal war. Zu der Zeit war ich noch ein starker Raucher. Wenn ich hustete, gab ich auf Nachfrage immer zur Antwort, dass ich erkältet wäre. Ich glaube, das ist die Standardantwort aller Raucher. Ein paar Wochen vor dem Unfall saß ich an meinem Schreibtisch. Ein Kollege war mit im Raum, weil wir eine Tour besprochen hatten. Plötzlich überkam mich eine Hustenattacke. Ich merkte, wie mir schwindelig wurde und von da ab weiß ich nichts mehr. Der Kollege erzählte mir später, ich bin mit dem Kopf auf die Schreibtischplatte geknallt und war kurze Zeit ohnmächtig. Als ich wieder zu mir kam, wollte der Kollege einen Krankenwagen rufen. Ich hatte das aber abgelehnt. Erklären konnte ich mir diese plötzliche Ohnmacht nicht. Ich wusste nur, dass es mit meinem Husten zusammenhängt. Nach einiger Zeit habe ich den Vorfall dann vergessen.
Freitag war immer der Tag, an dem Käse abgeholt werden muss. Momentan war die personelle Situation gut und ich verspürte große Lust, dem Büromief zu entkommen. Ich wollte mal wieder rausfahren, aber ohne Stress. Diese Käsetour eignet sich hervorragend dazu.
Hier geht´s zur Käsetour
Gesagt, getan, ich bin die Tour gefahren. Es war auch alles optimal bis auf eine kleine Kleinigkeit. Die Molkerei ist damals noch in einem Wohngebiet gewesen und ich musste durch eine reine Wohnstraße fahren.
Die Straße war mit Bodenschwellen versehen, mit sogenannten "Drempels". Ich hatte gerade die Tasse mit Kaffee in der Hand, als ich darüber fuhr. Natürlich habe ich mich bzw. meinen Pullover beschlabbert. Das sollte später noch eine Rolle spielen.
Nach ca. einer knappen halben Stunde Landstraße bin ich in Kleve auf die Autobahn aufgefahren. In Höhe Goch ist es dann passiert. Ich bekam einen starken Hustenanfall. Ich befand mich gerade unter einer Brücke, als ich merkte, dass mir schwindelig wurde. Ich dachte sofort an den Vorfall damals im Büro, bremste ab und wollte auf den Standstreifen lenken. Aber ich war so schnell ohnmächtig geworden, dass ich wohl mit dem Antippen der Bremse noch den Tempomat rausgenommen und auch durch das Lenken nach rechts die Richtung vorgegeben hatte, den Lkw aber nicht mehr abbremsen konnte.
Ich weiß nicht, was danach passiert ist, weil ich ja ohnmächtig war. Ich musste aber immer noch ziemlich schnell gewesen sein, weil der Lkw nach rechts weit auf einen Acker gefahren ist. Es war mein Glück, dass die Gegend sehr flach und der Boden des Ackers sehr tief war und den Lkw stoppte. Als ich wieder aufwachte, sah ich vor mir eine Frontscheibe, die total verdreckt war. Oh Scheiße, habe ich gedacht. Du bist eingepennt. Aber gleich darauf fiel mir ein, dass ich diese Hustenattacke hatte. Ich bin dann ausgestiegen und habe mir die ganze Bescherung angesehen. Der Lkw ist förmlich über einen kleinen Graben hinweggeflogen und hat dabei einen noch sehr jungen Baum umgeknickt. Vor allem aber stand er gerade und es liefen auch keine Flüssigkeiten aus. Ich selber hatte großes Glück, dass ich angeschnallt war und dass ich nicht nach links abgedriftet bin.
Die Polizei hatte zunächst vermutet, ich wäre übermüdet und hat einen Ausdruck aus dem Tacho gezogen. Nachdem der Ausdruck kein Indiz für Übermüdung hergab, musste ich ins Röhrchen pusten. Dass ich keine Drogen genommen habe, glaubten mir die Polizisten dann ohne Test. Natürlich wollten sie den Grund für den Unfall wissen. Weil ich aber den Grund nicht genannt habe, konnten sie nur mutmaßen. Sie haben mir damit gedroht, den Staatsanwalt zu kontaktieren und an Ort und Stelle den Führerschein einzuziehen. Einer der Beamten hat dann den Kaffeefleck auf meinem Pullover gesehen, der zudem noch feucht war. Sofort hat er den Verdacht geäußert, dass ich mir während der Fahrt einen Kaffee eingeschüttet habe und deshalb den Unfall verursachte. Er ließ sich auch nicht davon abbringen. Nach ständigem Hin- und Her fragte er mich dann, ob ich damit einverstanden wäre, die Sache mit einem Verwarngeld von 35 Euro zu beenden. Das habe ich natürlich angenommen.
Die Bergung des Lkw musste mit zwei Abschleppfahrzeugen vorgenommen werden. Einer hat den Lkw gezogen und der andere hat ihn mit einem Seil vor dem Umkippen bewahrt, als der schmale Graben überwunden werden musste. Anschließend ist der Lkw nach MAN in Kalkar geschleppt worden.
Es war der junge Baum, über den der Lkw gefahren ist, der so viel kaputt gemacht hatte. Er hat viel von der Elektronik zerstört. Von meinem Chef habe ich nie auch nur irgendeinen Vorwurf deswegen gehört. Ganz im Gegenteil sagte er mir, als ich ihm den Unfall mitgeteilt hatte, dass er froh ist, dass mir nichts passiert ist. Materielle Schäden lassen sich ersetzen, körperliche Schäden nicht oder nur sehr schwer. Und ich glaube auch heute noch, dass er das wirklich ernst gemeint hat und nicht einfach nur so dahingesagt.
Nach diesem Unfall habe ich dann das naheliegendste getan und habe meinen Arzt aufgesucht, weil ich die Ursache ergründen wollte. So richtig gefunden haben auch die verschiedenen Ärzte nichts. Die Ohnmacht ließ sich nur durch ein Ausschlußverfahren erklären. Demnach lag es daran, dass ich Erkältungen nie so ganz richtig ausgeheilt habe und sie verschleppt worden sind. Meine Bronchien klingen nicht gut. Das Rauchen trägt auch einen nicht unwesentlichen Teil dazu bei, dass es passiert ist. Bei einem Hustenanfall entsteht im Bauchraum ein ungeheurer Druck, der das Zwerchfell auf die Aorta drückt. Wird die Aorta abgedrückt, bekommt das Gehirn zuwenig oder keinen Sauerstoff und die Ohnmacht setzt innerhalb von Sekunden ein.
Mit dieser Diagnose und Erklärung musste ich fortan leben. Als Konsequenz unterschätze ich jetzt auch eine harmlose Erkältung nicht mehr. Und seit dem ich mit dem Rauchen aufgehört habe, hat sich das mit dem Husten auch erledigt. Ich hatte wohl mal wieder zwischendurch so einen Hustenanfall, weil ich mich am Essen verschluckt hatte. Aber mir wurde nicht schwindelig dabei und ohnmächtig bin ich auch nicht geworden. In diesem Sinne war wohl die Zigarette der Ursprung allen Übels.
Ach ja! Der Käse, den ich geladen hatte, war noch in Ordnung. Nicht ein Laib Käse ist kaputt gegangen oder war irgendwie beschädigt. Komisch, dass einem diese Tatsache noch so wichtig erscheint, oder?
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